Fußball unser
Liebesleid, falsche Versprechungen, gefälschte Tickets: Die ganz persönlichen Triumphe und Tragödien der PLATZVERWEIS-Redaktion.
Saudade im Stadion
Ich war am Boden zerstört.Meine Freundin hatte Schluss gemacht, das durchkreuzte meine Lebensplanung. Dabei hatte ich vorher gar nicht gewusst, dass ich eine hatte. Ich war zornig und beleidigt, aber vor allem verwirrt. Ich wollte weg. Also stieg ich ins Auto und fuhr nach Portugal. Dort fand gerade die Fußball-EM statt. Ein Freund von mir arbeitete für eine Security-Firma im Boavista-Stadion in Porto, nach der Gruppenphase war seine Arbeit erledigt.
Ich übernachtete zuerst in Verona, dann in Montpellier und am dritten Tag fuhr ich von Frankreich bis Portugal nonstop. Im ersten Hotel nach der spanischen Grenze checkte ich ein und sah mir im Fernsehen das Viertelfinale Portugal gegen England an. Portugal gewann im Elfmeterschießen, England fuhr nach Hause. Ich war traurig,weil ich immer zu England halte. Am nächsten Tag traf ich mich in Lissabon mit meinem Freund. Am Schwarzmarkt kam man leicht zu Karten, sogar zu welchen zum regulären Verkaufspreis. Wenn Deutsche und Engländer ausscheiden, sacken die Schwarzmarktpreise in den Keller. Das war mein Glück: In Faro sah ich das Viertelfinale Niederlande – Schweden, danach die beiden Halbfinali.
Ich erlebte im portugiesischen Sektor des Estàdio da Luz von Lissabon den Einzug der Gastgeber ins Finale und in Porto die Griechen, die aus bis heute unerfindlichen Gründen Tschechien besiegten. Ich fühlte mich gut. Meine Probleme schienen von Portugal aus besehen plötzlich viel kleiner zu sein. Außerdem hatte ich Finalkarten. Dann rief meine Ex-Freundin an und sagte, sie hätte es sich überlegt. Ich verzichtete auf meine Finalkarte, stieg ins Auto und fuhr nach Wien zurück. Mein Freund, der auf mich als Fahrer angewiesen war, war nicht begeistert, konnte mich aber nicht zurückhalten.Die 0:1-Niederlage Portugals habe ich in Wien vor dem Fernseher erlebt. Alleine.Meine Ex hatte sich das Andersüberlegen anders überlegt. (chribö)
Karli Brauneder-Blues
Mit 16 wurden alle meine Wünsche wahr. Außer Rapid hatte ich damals nicht viel im Kopf, und das war die richtige Zeit dafür. Die Hütteldorfer stürmten ins Europacupfinale der Cupsieger, mittels heute legendären Heimpartien unter anderem gegen Sporting Lissabon und Feyenoord Rotterdam. Ich bettelte meine Eltern so lange an, bis sie mir erlaubten, mit einem Freund und dessen großem Bruder nach Brüssel zum Endspiel gegen Paris Saint-Germain zu fahren.
Am Tag vor dem Spiel fuhren wir am späten Nachmittag mit einem Fanbus vor dem Hanappi-Stadion weg. Noch bevor wir die Westautobahn erreichten, übergab sich der erste Fahrgast in ein mitgebrachtes Plastiksackerl. Ich hatte zwar schon erste Erfahrungen mit Alkohol gemacht, aber diese Intensität war mir neu. In meiner Sitzreihe sang eine Physikstudentin, die zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Fußballspiel fuhr, die ganze – und zwar wirklich die ganze – Nacht: „Ihn kennt a jeder: Karli Brauneder!“ Obwohl der seit zwei Jahren nicht einmal mehr im Kader war. Aber es sang sich halt so schön. In Brüssel angekommen, gingen wir in ein Bierlokal und sangen vom kommenden Sieg. Plötzlich kam eine ungefähr gleich starke Gruppe –15 Leute – von französischen Fans ins Lokal. Wir musterten einander. Sie wollten keine Schlägerei, wir wollten keine Schlägerei. Stattdessen tranken und sangen wir gemeinsam und tauschten Schals. Erst knapp vor dem Stadion trennten wir uns.
Rapid verlor in einem furchtbaren Spiel durch einen abgefälschten Freistoß von N’Gotty 1:0. Die Rapidfans blieben noch eine halbe Stunde nach Abpfiff im Stadion und applaudierten trotzdem ihrer Mannschaft. Alleine für diesen Moment hatte sich alles gelohnt. (chribö)
Mein Held Otto
29.Oktober 1994, ein Samstag, was sonst. Das Stadion auf der Gugl in Linz. Kurz vor Ende des Spiels liegt Champions-League-Teilnehmer Casino Salzburg gegen den – nun ja – besiegbaren FC Keli Linz (seinerzeit noch aka Voest Linz) 0:1 zurück. Im Publikum steht ein Neunjähriger, leicht zu beeindruckender Bub, der den nationalen und internationalen Siegeszug Salzburgs aufgeregt mitverfolgt hat, der aber sein gerade aufkeimendes Fußballinteresse ob dieser drohenden Niederlage schon wieder herbe gedämpft sieht.
Schließlich ist es sein erster Stadionbesuch. Und da will man keine Enttäuschungen erleben. Schlägereien, Beschimpfungen (Linz ist ein hartes Pflaster, wie man spätestens seit der Affäre um den deutschen Rapper Bushido weiß), Bierduschen, Schlachtgesänge, ja! Aber keine unerwartete, peinliche Niederlage. Dann, in der Nachspielzeit: Tomislav Kocijan schießt von halblinks, etwa 30 Meter vom Tor entfernt, einen Freistoß. Er flankt in die Mitte, findet den Kopf seines Torhüters Otto Konrad, der sein eigenes Tor angesichts der drohenden Blamage verlassen hatte und jetzt im gegnerischen Strafraum herumfuhrwerkt. Konrad köpft, umringt von Linzer Abwehrspielern, ins linke Kreuzeck. 1:1.
Der Neunjährige, der 50 Meter weiter sitzt, springt auf und schreit, wie er noch nie geschrien hat. Er hat live eine jener Geschichten miterlebt, die Fußball so unwiderstehlich machen. Und er hat seinen ersten Fußballhelden gefunden. Otto Konrad hatte sich bei seinem Kopfballtor durch Feindkontakt auch noch das Jochbein gebrochen. Heroischer geht es nicht. Schon ein gutes halbes Jahr
später, bei meinem nächsten Stadionbesuch – meine Lieblingsmannschaft kam schließlich aus einer anderen Stadt und somit nur viermal im Jahr nach Linz – hatte sich die heroische Aura allerdings schon wieder aufgelöst.
Bei der 0:2-Niederlage gegen den LASK hatte Konrad bei einem Rückpass von Leo Lainer daneben gehaut, der Ball rollte ins Tor. Danach wollte ich vom Fußball erstmal lange Zeit nichts mehr wissen. Die Enttäuschung über den ersten gefallenen Helden meines Lebens kannte keine Grenzen. Wenn die Wahrheit wirklich auf dem Platz liegt, dann konnte sie mir fortan gestohlen bleiben. (milu)
Innviertler Familienstreit
Die schönsten Spiele meiner Fußballkarriere fanden in der U16 statt. Sie waren deshalb so schön, weil wir einen sehr leidenschaftlichen Fußballtrainer hatten, außerdem einen (Heim-)Schiedsrichter, der ihm in puncto Emotionen um nichts nachstand. Für die 14- bis 16-Jährigen waren Weiber und Alkohol mindestens genauso interessant wie die Spiele.
Deshalb kam es vor, dass zu den Fußballmatches am Samstag nicht alle Spieler immer nüchtern erschienen. Legendär war die Partie Burgkirchen gegen Laab. Schon nach zehn Minuten lagen wir bei 30 Grad Hitze zurück. Die Hälfte der Mannschaft hatte aufgrund einer Diskoparty im Nachbarort einen Kater. Unser Schiedsrichter Johannes M. war außerdem Vater zweier Söhne, die mit mir im U16-Kader spielten. Reinhard alias „Hartl“ trug Vater-Sohn-Zwistigkeiten gerne am Fußballplatz aus. Hartl war kein feinmotorischer Spieler, so grätschte er hin und wieder einen Gegner blutig nieder. In der 20. Minute foulte er einen Gegner in der Nähe der Eckfahne. Der Pfiff des Schiedsrichters ertönte, es gab Freistoß für die Gäste aus Laab.Hartl konnte die Entscheidung nicht verstehen und protestiere lauthals.
Johannes M. und sein Sohn begannen zu streiten, schließlich zeigte er ihm die blaue Karte. Reinhard war außer sich und verließ unter Tränen den Platz. „Das werden wir daheim ausdiskutieren“, schrie er in Richtung seines Vaters. Obwohl Hartl nach zehn Minuten wieder spielen hätte dürfen, verweigerte er; es wurde ein anderer Spieler eingewechselt. In der Pausenansprache kam es zu dramatischen Szenen: Unser Trainer Franz bekam einen Wutausbruch, sein Kopf wurde Rot vor Zorn. Ihm war aufgefallen, dass sich nicht alle Spieler vom nächtlichen Ausflug erholt hatten. Jeder bekam sein Fett ab, am meisten freilich: Hartl. Der ließ trotzig den Kopf hängen und ging duschen. Ich weiß nicht mehr, wie das Spiel ausging.Nur, dass wir relativ hoch verloren haben. In der Kabine erwarteten uns zwei Kisten Bier. Das war üblich: Wenn wir gewannen, hatten wir etwas zum Anstoßen; wenn wir verloren, gab es ein Trostbier. Nur Hartl war nicht mehr dabei. (flohi)
Ein unmoralisches Angebot
Für Zehnjährige reichen zwei fünf Meter voneinander entfernte Bäume als Fußballtor völlig aus. Auf der Spielwiese hinter der Wohnblocksiedlung, in der ich aufgewachsen bin, gab es da ein paar Möglichkeiten. Ich spielte mit meinen Freunden meistens zu dritt oder zu viert. Sie schossen aus den verschiedensten Positionen aufs Tor oder probierten Spielzüge. Ich war Tormann. Und ich war gut. Ich warf mich in den Dreck und fischte die meisten Bälle souverän aus den Ecken.
Die logische Folge war der Ortswechsel auf den nahe gelegenen Fußballplatz, der richtige, große Tore mit Netz zu bieten hatte. Kurz davor hatte mir meine Mutter eine vollwertige Tormannausrüstung mit gepolstertem Trikot, gepolsterter Hose und Handschuhen gekauft. Ich machte also gute Figur auf dem großen Feld. So gute Figur, dass nach ein paar Sportplatzbesuchen ein dicklicher, ansatzweise grauhaariger Mann mit Brille und Block in der Hand zu mir kam, mich zur Seite zog und – für seinen Verein anwerben wollte.
Er war Trainer der Union Mühlbach, eines miserablen Teams aus dem Nachbarort, dessen Kampfmannschaft damals wie heute in den untersten Regionen der 2. Klasse Mitte Ost in Oberösterreich herumgrundelt. Er wollte mich für sein U12-Team anwerben. Meine Brust schwoll stolz an, das Selbstvertrauen stieg mir beinahe über den Kopf hinaus. Aber ich sagte: nein. Das Spielen im Verein war mir immer schon zuwider gewesen. Ich wollte nicht regelmäßig zum Training gehen und dort Runden um den Platz laufen. Ich wollte bloß Fußball spielen und mir diesen Spaß nicht durch Vereinsroutine verderben lassen. Also ging ich wieder zurück ins Tor, mit einem zufriedenen, selbstgefälligen Lächeln auf dem Gesicht und ließ die Chance verstreichen. Das Fußballspielen mit meinen Freunden machte mir weiterhin Spaß. Und ich war weiterhin gut im Tor. Nur aus der Fußballerkarriere wurde so halt nichts. (milu)
Entdeckung der zweiten Liebe
Der 12. September 2000 war ein denkwürdiger Abend. Sturm Graz spielte in der Champions League auswärts gegen die Glasgow Rangers. In Erinnerung blieb mir dieses Spiel vor allem, weil ich dabei war. Mein Vater und ich flogen mit der Mannschaft einen Tag vorher nach Glasgow. Bereits im Landeanflug rüttelte es unsere AUA-Maschine ordentlich durch. Es sollten nicht die letzten Turbulenzen bleiben.
Notiz von der Ankunft der Fans nahm kaum jemand. Sturm Graz? Nie gehört. Lediglich Sergey Juran war den schottischen Medien wichtig genug, um am Flughafen ein kurzes Statement zum Spiel abzugeben. Man nahm „uns“ nicht ernst. Nach dem Transfer zum Hotel und anschließendem Einchecken startete unser Rahmenprogramm. Erster Programmpunkt war der Besuch einer Whiskey-Destillerie mit anschließender Verkostung. Am Spieltag besichtigten wir schottische Dörfer, alte Burgen, Schafherden und Bannockburn. Dort fand 1314 eine der entscheidenden Schlachten im Kampf um Schottlands Unabhängigkeit statt.
Nach dem Besuch dieses historischen Ortes brachte uns unser Busfahrer John zum Stadion der Rangers, dem Ibrox Park. Ebenfalls ein historischer Ort. Der Celtic-Fan verabschiedete sich von uns:„So schlimm wird es nicht werden, und wenn doch, dann ist es in 90 Minuten vorbei“. Er lächelte.Und sollte recht behalten.Wir hatten kaum unseren Platz eingenommen, da begann das Spektakel. Unter den Klängen von Tina Turners Gassenhauer „Simply the Best“ brachten sich die knapp 50.000 Rangers-Supporter in Schwung und sangen mit einer Inbrunst, wie ich sie weder davor noch danach jemals Menschen hatte singen hören. Die Zuschauer schienen die Macht ihres Gesangs zu spüren und legten beim Einlaufen der Mannschaften noch einen Gang zu. Das Spiel verlief eintönig. Sturm hatte nicht den Funken einer Chance. Die Rangers gewannen das Spiel mit 5:0 – und sind seit damals meine heimliche Fußballliebe. (stehu)
Der nette Mensch von Chelsea
Meine Liebe zum englischen Fußball begann im Sommer 1999 an der Stamford Bridge in London mit dem gescheiterten Versuch, die Wartezeit vor der Stadionkassa ein wenig abzukürzen. Mit wenig Erfolg. „Da ist die Schlange“, sagte ein älterer Herr im blauen Chelsea-Trikot zu mir und meinem Vater – nachdem wir zuvor listig eine Lücke in der Reihe erspäht und zu besetzen gewagt hatten –, und deutete auf die Reihe hinter uns.
Dort standen rund 50 Männer, jeder seine Reservierungsbestätigung für Karten für das bevorstehende Spiel zwischen Chelsea und West Ham in der Hand. Unsere Bestätigung hatte ein Bekannter meines Vaters organisiert. Obwohl rüde, aber berechtigt, zurechtgewiesen, konnte ich es kaum erwarten und zappelte von einem Fuß auf den anderen. Die Schlange bewegte sich nur langsam vorwärts. Als wir endlich an der Reihe waren, gab mein Vater dem hinter dem Ticketschalter stehenden Menschen den Zettel, der uns in den Besitz der Karten bringen sollte. Der Mann betrachtete ihn eingehend – und schüttelte den Kopf. „Das ist keine Reservierungsbestätigung“, sagte er trocken und gab meinem Vater das Blatt Papier zurück.
Mein Vater gab ihm den Zettel sofort wieder und versuchte ihm zu erklären, dass wir nur wegen dieses Spiels nach London gekommen waren und dass wir die Karten bereits bezahlt hatten. Der Kartenausgeber nahm den Zettel – und verschwand wortlos in seinem Büro. Die Männer in der Schlange hinter uns begannen langsam unruhig zu werden.Nach scheinbar endlosen Minuten kam der Herr zurück und teilte uns mit, dass unser Formular eine Fälschung sei. Sowohl das Datum des Spiels wie die Uhrzeit des Anpfiffs auf unserer Bestätigung waren falsch. Ich war den Tränen nahe. Ich blickte flehentlich zu meinem Vater, der abermals versuchte, unsere Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Der Chelsea-Angestellte zeigte Mitleid. Er verschwand noch einmal in seinem Büro. Und kam nach fünf Minuten mit zwei Karten zurück. Die Karten für das Spiel habe ich dem Kontingent für besondere Anlässe entnommen“, sagte er schmunzelnd. „Genießen Sie das Spiel.“ (stehu)
Das zweite Färöer-Debakel
Es ist der 12. September 1990. Der Tag im Büro des Standard nimmt und nimmt kein Ende. Die Zeitung hat für ihr Personal zu viel vor und auch wenn die Sportredaktion die lustigste, fantasievollste, sympathischste und arbeitswütigste Partie ist, die je in einer Zeitung malochte, wäre es besser, wenn das Ländermatch in Landskrona schon vorbei wäre. Christian Hackl ist mit dem ÖFB mitgefahren, er stand knapp vor der zwangsweisen Heimreise, weil er in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Färöer gefragt hatte: „Und was ist, wenn wir verlieren?“
Teamchef Josef Hickersberger hat eine Na-ja-WM in Italien hingelegt, der Gang gegen die Färöer, die auf den eigenen Inseln nicht einmal einen richtigen Fußballplatz haben, bildet den Auftakt zur EM-Qualifikation für Schweden 1992. Routine. Fad. Aber besser als alleine zu Hause sitzen und erst recht fußballschauen.
Das Match läuft, und langsam werden wir wieder munter. In der 60.Minute soliert sich ein gewisser Nielsen durch die Abwehr der Österreicher (Holzfuss Russ, der wichtigtuerisch schauende, pomadige Streiter,der ahnungslose Hartmann) und schießt an Konsel vorbei das 1:0. In solchen Augenblicken macht der Journalismus plötzlich Sinn. Nein, er macht nicht, er transportiert den Sinn, der anderswo entstand, weiter. Polster, Herzog, Linzmaier, Rodax, alle diese unfassbar überheblichen Lemuren, sind nicht imstande, den Insel-Amateuren ein Goal zu machen.
Nach dem Spiel steht mit metergroßen Lettern in Hickersbergers Augen: Es ist vorbei.Wir machen eine großartige Abendausgabe. Hackl ruft aufgeregt wie ein Teenager an, aber so ist er immer. Spielbericht, Bildtext, Bild aussuchen, Bild für die Seite eins? Nein, nicht wichtig genug. Chefredakteure und Herausgeber sind die natürlichen Feinde des Journalismus, alles andere ist gefärbte Information. Also ein kleiner Anriss auf Seite eins.
Wenn es je eines Beweises bedurfte, dass die größere Wahrheit, die grundlegenden Zusammenhänge, die reine Lehre, das wahre Empfinden sich weder durch die Wirklichkeit noch durch Nachrichten in Zeitungen beeinflussen lässt, dann war dieser winzige Nachrichtenfleck im Standard des 13. September 1990 ein Beweis. Und was weiters für die Unabhängigkeit der Welt von der Zeitung spricht, ist die Tatsache, dass es niemandem, nicht dem Chefredakteur noch dem Herausgeber, aufgefallen ist, was dort zu lesen stand. Vielleicht, weil es nicht wirklich dort stand, sondern es nur so aussah, als würde diese Meldung so dort stehen und auf seine profunde Art richtig sein, wenn auch vielleicht nicht mit der landläufigen Realität vollkommen harmonierend. Und ich schwöre, es war keine Absicht: Färöer Inseln – Österreich 0:1. (Josko)
ENGLISH VERSION: Our Football
Ich war am Boden zerstört.Meine Freundin hatte Schluss gemacht, das durchkreuzte meine Lebensplanung. Dabei hatte ich vorher gar nicht gewusst, dass ich eine hatte. Ich war zornig und beleidigt, aber vor allem verwirrt. Ich wollte weg. Also stieg ich ins Auto und fuhr nach Portugal. Dort fand gerade die Fußball-EM statt. Ein Freund von mir arbeitete für eine Security-Firma im Boavista-Stadion in Porto, nach der Gruppenphase war seine Arbeit erledigt.
Ich übernachtete zuerst in Verona, dann in Montpellier und am dritten Tag fuhr ich von Frankreich bis Portugal nonstop. Im ersten Hotel nach der spanischen Grenze checkte ich ein und sah mir im Fernsehen das Viertelfinale Portugal gegen England an. Portugal gewann im Elfmeterschießen, England fuhr nach Hause. Ich war traurig,weil ich immer zu England halte. Am nächsten Tag traf ich mich in Lissabon mit meinem Freund. Am Schwarzmarkt kam man leicht zu Karten, sogar zu welchen zum regulären Verkaufspreis. Wenn Deutsche und Engländer ausscheiden, sacken die Schwarzmarktpreise in den Keller. Das war mein Glück: In Faro sah ich das Viertelfinale Niederlande – Schweden, danach die beiden Halbfinali.
Ich erlebte im portugiesischen Sektor des Estàdio da Luz von Lissabon den Einzug der Gastgeber ins Finale und in Porto die Griechen, die aus bis heute unerfindlichen Gründen Tschechien besiegten. Ich fühlte mich gut. Meine Probleme schienen von Portugal aus besehen plötzlich viel kleiner zu sein. Außerdem hatte ich Finalkarten. Dann rief meine Ex-Freundin an und sagte, sie hätte es sich überlegt. Ich verzichtete auf meine Finalkarte, stieg ins Auto und fuhr nach Wien zurück. Mein Freund, der auf mich als Fahrer angewiesen war, war nicht begeistert, konnte mich aber nicht zurückhalten.Die 0:1-Niederlage Portugals habe ich in Wien vor dem Fernseher erlebt. Alleine.Meine Ex hatte sich das Andersüberlegen anders überlegt. (chribö)
Karli Brauneder-Blues
Mit 16 wurden alle meine Wünsche wahr. Außer Rapid hatte ich damals nicht viel im Kopf, und das war die richtige Zeit dafür. Die Hütteldorfer stürmten ins Europacupfinale der Cupsieger, mittels heute legendären Heimpartien unter anderem gegen Sporting Lissabon und Feyenoord Rotterdam. Ich bettelte meine Eltern so lange an, bis sie mir erlaubten, mit einem Freund und dessen großem Bruder nach Brüssel zum Endspiel gegen Paris Saint-Germain zu fahren.
Am Tag vor dem Spiel fuhren wir am späten Nachmittag mit einem Fanbus vor dem Hanappi-Stadion weg. Noch bevor wir die Westautobahn erreichten, übergab sich der erste Fahrgast in ein mitgebrachtes Plastiksackerl. Ich hatte zwar schon erste Erfahrungen mit Alkohol gemacht, aber diese Intensität war mir neu. In meiner Sitzreihe sang eine Physikstudentin, die zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Fußballspiel fuhr, die ganze – und zwar wirklich die ganze – Nacht: „Ihn kennt a jeder: Karli Brauneder!“ Obwohl der seit zwei Jahren nicht einmal mehr im Kader war. Aber es sang sich halt so schön. In Brüssel angekommen, gingen wir in ein Bierlokal und sangen vom kommenden Sieg. Plötzlich kam eine ungefähr gleich starke Gruppe –15 Leute – von französischen Fans ins Lokal. Wir musterten einander. Sie wollten keine Schlägerei, wir wollten keine Schlägerei. Stattdessen tranken und sangen wir gemeinsam und tauschten Schals. Erst knapp vor dem Stadion trennten wir uns.
Rapid verlor in einem furchtbaren Spiel durch einen abgefälschten Freistoß von N’Gotty 1:0. Die Rapidfans blieben noch eine halbe Stunde nach Abpfiff im Stadion und applaudierten trotzdem ihrer Mannschaft. Alleine für diesen Moment hatte sich alles gelohnt. (chribö)
Mein Held Otto
29.Oktober 1994, ein Samstag, was sonst. Das Stadion auf der Gugl in Linz. Kurz vor Ende des Spiels liegt Champions-League-Teilnehmer Casino Salzburg gegen den – nun ja – besiegbaren FC Keli Linz (seinerzeit noch aka Voest Linz) 0:1 zurück. Im Publikum steht ein Neunjähriger, leicht zu beeindruckender Bub, der den nationalen und internationalen Siegeszug Salzburgs aufgeregt mitverfolgt hat, der aber sein gerade aufkeimendes Fußballinteresse ob dieser drohenden Niederlage schon wieder herbe gedämpft sieht.
Schließlich ist es sein erster Stadionbesuch. Und da will man keine Enttäuschungen erleben. Schlägereien, Beschimpfungen (Linz ist ein hartes Pflaster, wie man spätestens seit der Affäre um den deutschen Rapper Bushido weiß), Bierduschen, Schlachtgesänge, ja! Aber keine unerwartete, peinliche Niederlage. Dann, in der Nachspielzeit: Tomislav Kocijan schießt von halblinks, etwa 30 Meter vom Tor entfernt, einen Freistoß. Er flankt in die Mitte, findet den Kopf seines Torhüters Otto Konrad, der sein eigenes Tor angesichts der drohenden Blamage verlassen hatte und jetzt im gegnerischen Strafraum herumfuhrwerkt. Konrad köpft, umringt von Linzer Abwehrspielern, ins linke Kreuzeck. 1:1.
Der Neunjährige, der 50 Meter weiter sitzt, springt auf und schreit, wie er noch nie geschrien hat. Er hat live eine jener Geschichten miterlebt, die Fußball so unwiderstehlich machen. Und er hat seinen ersten Fußballhelden gefunden. Otto Konrad hatte sich bei seinem Kopfballtor durch Feindkontakt auch noch das Jochbein gebrochen. Heroischer geht es nicht. Schon ein gutes halbes Jahr
später, bei meinem nächsten Stadionbesuch – meine Lieblingsmannschaft kam schließlich aus einer anderen Stadt und somit nur viermal im Jahr nach Linz – hatte sich die heroische Aura allerdings schon wieder aufgelöst.
Bei der 0:2-Niederlage gegen den LASK hatte Konrad bei einem Rückpass von Leo Lainer daneben gehaut, der Ball rollte ins Tor. Danach wollte ich vom Fußball erstmal lange Zeit nichts mehr wissen. Die Enttäuschung über den ersten gefallenen Helden meines Lebens kannte keine Grenzen. Wenn die Wahrheit wirklich auf dem Platz liegt, dann konnte sie mir fortan gestohlen bleiben. (milu)
Innviertler Familienstreit
Die schönsten Spiele meiner Fußballkarriere fanden in der U16 statt. Sie waren deshalb so schön, weil wir einen sehr leidenschaftlichen Fußballtrainer hatten, außerdem einen (Heim-)Schiedsrichter, der ihm in puncto Emotionen um nichts nachstand. Für die 14- bis 16-Jährigen waren Weiber und Alkohol mindestens genauso interessant wie die Spiele.
Deshalb kam es vor, dass zu den Fußballmatches am Samstag nicht alle Spieler immer nüchtern erschienen. Legendär war die Partie Burgkirchen gegen Laab. Schon nach zehn Minuten lagen wir bei 30 Grad Hitze zurück. Die Hälfte der Mannschaft hatte aufgrund einer Diskoparty im Nachbarort einen Kater. Unser Schiedsrichter Johannes M. war außerdem Vater zweier Söhne, die mit mir im U16-Kader spielten. Reinhard alias „Hartl“ trug Vater-Sohn-Zwistigkeiten gerne am Fußballplatz aus. Hartl war kein feinmotorischer Spieler, so grätschte er hin und wieder einen Gegner blutig nieder. In der 20. Minute foulte er einen Gegner in der Nähe der Eckfahne. Der Pfiff des Schiedsrichters ertönte, es gab Freistoß für die Gäste aus Laab.Hartl konnte die Entscheidung nicht verstehen und protestiere lauthals.
Johannes M. und sein Sohn begannen zu streiten, schließlich zeigte er ihm die blaue Karte. Reinhard war außer sich und verließ unter Tränen den Platz. „Das werden wir daheim ausdiskutieren“, schrie er in Richtung seines Vaters. Obwohl Hartl nach zehn Minuten wieder spielen hätte dürfen, verweigerte er; es wurde ein anderer Spieler eingewechselt. In der Pausenansprache kam es zu dramatischen Szenen: Unser Trainer Franz bekam einen Wutausbruch, sein Kopf wurde Rot vor Zorn. Ihm war aufgefallen, dass sich nicht alle Spieler vom nächtlichen Ausflug erholt hatten. Jeder bekam sein Fett ab, am meisten freilich: Hartl. Der ließ trotzig den Kopf hängen und ging duschen. Ich weiß nicht mehr, wie das Spiel ausging.Nur, dass wir relativ hoch verloren haben. In der Kabine erwarteten uns zwei Kisten Bier. Das war üblich: Wenn wir gewannen, hatten wir etwas zum Anstoßen; wenn wir verloren, gab es ein Trostbier. Nur Hartl war nicht mehr dabei. (flohi)
Ein unmoralisches Angebot
Für Zehnjährige reichen zwei fünf Meter voneinander entfernte Bäume als Fußballtor völlig aus. Auf der Spielwiese hinter der Wohnblocksiedlung, in der ich aufgewachsen bin, gab es da ein paar Möglichkeiten. Ich spielte mit meinen Freunden meistens zu dritt oder zu viert. Sie schossen aus den verschiedensten Positionen aufs Tor oder probierten Spielzüge. Ich war Tormann. Und ich war gut. Ich warf mich in den Dreck und fischte die meisten Bälle souverän aus den Ecken.
Die logische Folge war der Ortswechsel auf den nahe gelegenen Fußballplatz, der richtige, große Tore mit Netz zu bieten hatte. Kurz davor hatte mir meine Mutter eine vollwertige Tormannausrüstung mit gepolstertem Trikot, gepolsterter Hose und Handschuhen gekauft. Ich machte also gute Figur auf dem großen Feld. So gute Figur, dass nach ein paar Sportplatzbesuchen ein dicklicher, ansatzweise grauhaariger Mann mit Brille und Block in der Hand zu mir kam, mich zur Seite zog und – für seinen Verein anwerben wollte.
Er war Trainer der Union Mühlbach, eines miserablen Teams aus dem Nachbarort, dessen Kampfmannschaft damals wie heute in den untersten Regionen der 2. Klasse Mitte Ost in Oberösterreich herumgrundelt. Er wollte mich für sein U12-Team anwerben. Meine Brust schwoll stolz an, das Selbstvertrauen stieg mir beinahe über den Kopf hinaus. Aber ich sagte: nein. Das Spielen im Verein war mir immer schon zuwider gewesen. Ich wollte nicht regelmäßig zum Training gehen und dort Runden um den Platz laufen. Ich wollte bloß Fußball spielen und mir diesen Spaß nicht durch Vereinsroutine verderben lassen. Also ging ich wieder zurück ins Tor, mit einem zufriedenen, selbstgefälligen Lächeln auf dem Gesicht und ließ die Chance verstreichen. Das Fußballspielen mit meinen Freunden machte mir weiterhin Spaß. Und ich war weiterhin gut im Tor. Nur aus der Fußballerkarriere wurde so halt nichts. (milu)
Entdeckung der zweiten Liebe
Der 12. September 2000 war ein denkwürdiger Abend. Sturm Graz spielte in der Champions League auswärts gegen die Glasgow Rangers. In Erinnerung blieb mir dieses Spiel vor allem, weil ich dabei war. Mein Vater und ich flogen mit der Mannschaft einen Tag vorher nach Glasgow. Bereits im Landeanflug rüttelte es unsere AUA-Maschine ordentlich durch. Es sollten nicht die letzten Turbulenzen bleiben.
Notiz von der Ankunft der Fans nahm kaum jemand. Sturm Graz? Nie gehört. Lediglich Sergey Juran war den schottischen Medien wichtig genug, um am Flughafen ein kurzes Statement zum Spiel abzugeben. Man nahm „uns“ nicht ernst. Nach dem Transfer zum Hotel und anschließendem Einchecken startete unser Rahmenprogramm. Erster Programmpunkt war der Besuch einer Whiskey-Destillerie mit anschließender Verkostung. Am Spieltag besichtigten wir schottische Dörfer, alte Burgen, Schafherden und Bannockburn. Dort fand 1314 eine der entscheidenden Schlachten im Kampf um Schottlands Unabhängigkeit statt.
Nach dem Besuch dieses historischen Ortes brachte uns unser Busfahrer John zum Stadion der Rangers, dem Ibrox Park. Ebenfalls ein historischer Ort. Der Celtic-Fan verabschiedete sich von uns:„So schlimm wird es nicht werden, und wenn doch, dann ist es in 90 Minuten vorbei“. Er lächelte.Und sollte recht behalten.Wir hatten kaum unseren Platz eingenommen, da begann das Spektakel. Unter den Klängen von Tina Turners Gassenhauer „Simply the Best“ brachten sich die knapp 50.000 Rangers-Supporter in Schwung und sangen mit einer Inbrunst, wie ich sie weder davor noch danach jemals Menschen hatte singen hören. Die Zuschauer schienen die Macht ihres Gesangs zu spüren und legten beim Einlaufen der Mannschaften noch einen Gang zu. Das Spiel verlief eintönig. Sturm hatte nicht den Funken einer Chance. Die Rangers gewannen das Spiel mit 5:0 – und sind seit damals meine heimliche Fußballliebe. (stehu)
Der nette Mensch von Chelsea
Meine Liebe zum englischen Fußball begann im Sommer 1999 an der Stamford Bridge in London mit dem gescheiterten Versuch, die Wartezeit vor der Stadionkassa ein wenig abzukürzen. Mit wenig Erfolg. „Da ist die Schlange“, sagte ein älterer Herr im blauen Chelsea-Trikot zu mir und meinem Vater – nachdem wir zuvor listig eine Lücke in der Reihe erspäht und zu besetzen gewagt hatten –, und deutete auf die Reihe hinter uns.
Dort standen rund 50 Männer, jeder seine Reservierungsbestätigung für Karten für das bevorstehende Spiel zwischen Chelsea und West Ham in der Hand. Unsere Bestätigung hatte ein Bekannter meines Vaters organisiert. Obwohl rüde, aber berechtigt, zurechtgewiesen, konnte ich es kaum erwarten und zappelte von einem Fuß auf den anderen. Die Schlange bewegte sich nur langsam vorwärts. Als wir endlich an der Reihe waren, gab mein Vater dem hinter dem Ticketschalter stehenden Menschen den Zettel, der uns in den Besitz der Karten bringen sollte. Der Mann betrachtete ihn eingehend – und schüttelte den Kopf. „Das ist keine Reservierungsbestätigung“, sagte er trocken und gab meinem Vater das Blatt Papier zurück.
Mein Vater gab ihm den Zettel sofort wieder und versuchte ihm zu erklären, dass wir nur wegen dieses Spiels nach London gekommen waren und dass wir die Karten bereits bezahlt hatten. Der Kartenausgeber nahm den Zettel – und verschwand wortlos in seinem Büro. Die Männer in der Schlange hinter uns begannen langsam unruhig zu werden.Nach scheinbar endlosen Minuten kam der Herr zurück und teilte uns mit, dass unser Formular eine Fälschung sei. Sowohl das Datum des Spiels wie die Uhrzeit des Anpfiffs auf unserer Bestätigung waren falsch. Ich war den Tränen nahe. Ich blickte flehentlich zu meinem Vater, der abermals versuchte, unsere Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Der Chelsea-Angestellte zeigte Mitleid. Er verschwand noch einmal in seinem Büro. Und kam nach fünf Minuten mit zwei Karten zurück. Die Karten für das Spiel habe ich dem Kontingent für besondere Anlässe entnommen“, sagte er schmunzelnd. „Genießen Sie das Spiel.“ (stehu)
Das zweite Färöer-Debakel
Es ist der 12. September 1990. Der Tag im Büro des Standard nimmt und nimmt kein Ende. Die Zeitung hat für ihr Personal zu viel vor und auch wenn die Sportredaktion die lustigste, fantasievollste, sympathischste und arbeitswütigste Partie ist, die je in einer Zeitung malochte, wäre es besser, wenn das Ländermatch in Landskrona schon vorbei wäre. Christian Hackl ist mit dem ÖFB mitgefahren, er stand knapp vor der zwangsweisen Heimreise, weil er in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Färöer gefragt hatte: „Und was ist, wenn wir verlieren?“
Teamchef Josef Hickersberger hat eine Na-ja-WM in Italien hingelegt, der Gang gegen die Färöer, die auf den eigenen Inseln nicht einmal einen richtigen Fußballplatz haben, bildet den Auftakt zur EM-Qualifikation für Schweden 1992. Routine. Fad. Aber besser als alleine zu Hause sitzen und erst recht fußballschauen.
Das Match läuft, und langsam werden wir wieder munter. In der 60.Minute soliert sich ein gewisser Nielsen durch die Abwehr der Österreicher (Holzfuss Russ, der wichtigtuerisch schauende, pomadige Streiter,der ahnungslose Hartmann) und schießt an Konsel vorbei das 1:0. In solchen Augenblicken macht der Journalismus plötzlich Sinn. Nein, er macht nicht, er transportiert den Sinn, der anderswo entstand, weiter. Polster, Herzog, Linzmaier, Rodax, alle diese unfassbar überheblichen Lemuren, sind nicht imstande, den Insel-Amateuren ein Goal zu machen.
Nach dem Spiel steht mit metergroßen Lettern in Hickersbergers Augen: Es ist vorbei.Wir machen eine großartige Abendausgabe. Hackl ruft aufgeregt wie ein Teenager an, aber so ist er immer. Spielbericht, Bildtext, Bild aussuchen, Bild für die Seite eins? Nein, nicht wichtig genug. Chefredakteure und Herausgeber sind die natürlichen Feinde des Journalismus, alles andere ist gefärbte Information. Also ein kleiner Anriss auf Seite eins.
Wenn es je eines Beweises bedurfte, dass die größere Wahrheit, die grundlegenden Zusammenhänge, die reine Lehre, das wahre Empfinden sich weder durch die Wirklichkeit noch durch Nachrichten in Zeitungen beeinflussen lässt, dann war dieser winzige Nachrichtenfleck im Standard des 13. September 1990 ein Beweis. Und was weiters für die Unabhängigkeit der Welt von der Zeitung spricht, ist die Tatsache, dass es niemandem, nicht dem Chefredakteur noch dem Herausgeber, aufgefallen ist, was dort zu lesen stand. Vielleicht, weil es nicht wirklich dort stand, sondern es nur so aussah, als würde diese Meldung so dort stehen und auf seine profunde Art richtig sein, wenn auch vielleicht nicht mit der landläufigen Realität vollkommen harmonierend. Und ich schwöre, es war keine Absicht: Färöer Inseln – Österreich 0:1. (Josko)
ENGLISH VERSION: Our Football
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